Wie wird man KuB-Mitglied?
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04.10.2020
Kundgebung in Solidarität mit der belarusischen Demokratiebewegung und Maria Kalesnikava
Am Sonntag, den 4. Oktober versammelten sich rund 200 Menschen auf dem Stuttgarter Schillerplatz. Die Solidaritätskundgebung wurde von einem Bündnis aus Belarus*innen, Kulturschaffenden und Menschenrechtsaktivist*innen organisiert. Neben den Mitorganisatorinnen Aliona Dries und Jasmin Schädler führte Jule Hölzgen die Anwesenden durch das Programm.

Nils Schmid (MdB SPD), Stefan Kaufmann (MdB CDU) und Michael Bloss (EU Parlament B90/Grün) sprachen als Vertreter der Politik. Alle drei erinnerten an die friedlichen Proteste, die vor 30 Jahren zur deutschen Wiedervereinigung führten - ähnlich wie in Belarus ging auch diesen ein Wahlbetrug voraus. Stefan Kaufmann hob vor allem das Engagement queerer Aktivist*innen in Berlarus hervor, die sich doppelter Gefahr aussetzen - der belarusische Diktator Lukashenko ist auch für seine extreme Homophobie bekannt. Nils Schmid mahnte an, dass es besonderen Einsatz für die Aktivist*innen brauche und die internationale Aufmerksamkeit jetzt nicht abreißen dürfe, da es in Belarus noch immer die Todesstrafe gibt. Gemeinsam mit seinem Bundestags-Kollegen Fritz Felgentreu hat er deshalb den Prozess eingeleitet Maria Kalesnikava und ihre Kolleginnen Swetlana Tichanovskaja und Veronika Tsepkalo für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen.

Auch Stefan Drößler von Amnesty International Stuttgart wies auf die Todesstrafe hin, gegen die sich auch ehemalige Polizeibeamte in Belarus stark machen. Er rief alle anwesend dazu auf sich an den Initiativen zu beteiligen, zu denen Amnesty International und andere Organisationen in Solidarität mit Belarus aufgerufen haben.

Christine Fischer, Intendantin von ECLAT Festival / Musik der Jahrhunderte, die im Rahmen des ECLAT Festivals regelmäßig eng mit Maria Kalesnikava zusammenarbeitete und sich seit deren Entführung ununterbrochen für Maria engagiert, sprach stellvertretend für das bundesweite Netzwerk Kulturschaffender Die Vielen (www.dievielen.de). Sie laß zum Abschluss ihrer Rede ein paar Zeilen vor, die Maria an ihre Unterstützer*innen in Deutschland gerichtet hat: "Ich bin meinen deutsche Freund*innen und allen Menschen in Deutschland dankbar für ihre Unterstützung und ihre Solidarität mit meinem Mutterland. Es ist unschätzbar, ihr seid unglaublich!"

Auch Worte des ebenfalls inhaftierten Maxim Znaks, der Anwalt des Koordinationsrats der Opposition, waren zu hören - sein im Gefängnis entstandenes Gedicht über Kartoffeln, was metaphorisch für die belarusische Bevölkerung steht, betont die Unnachgiebigkeit der Menschen in der Forderung nach Demokratie und Freiheit. Das Gedicht wurde von Iryna Rybak sowohl in der belarusischen Originalversion, als auch auf Deutsch übersetzt, vorgetragen.

Neben einer ausführlichen Zusammenfassung der Ereignisse seit den Wahlen am 9. August durch Yuliya Mkhayan, wurden auch zwei Augenzeug*innen interviewt.

Der seit zwei Jahren in Deutschland lebende Vladimir Shcherbakou war im August als unabhängiger Wahlbeobachter in Belarus. Er musste sich verstecken, um vor der Wahl nicht festgenommen zu werden und berichtete, dass das Wahlgeheimnis in den Wahlbüros aktiv verletzt wurde, indem die Wände aus den Wahlkabinen entfernt wurden. Sein politisches Engagement begann dieses Jahr, als Lukaschenka öffentlich Corona leugnete und nichts für den Schutz der Bevölkerung unternahm. Des Weiteren erzählte Angelina Kraft, die seit drei Jahren in Deutschland lebt aber die letzten vier Wochen in Minsk verbrachte von der Gewalt bei den Demonstrationen, die sie selbst miterleben musste.

Die Kundgebung schloss mit einem Lied der Band BelaSol, die auch eröffnet hatte. Das Bündnis kündigte an, bald zu weiteren Kundgebungen sowie Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen einzuladen.

Die vollständigen Beiträge der Kundgebung vom 4. Oktober finden Sie hier: https://www.youtube.com/channel/UCnD1cCmtJf-vh61VPLc5pBw
Fotos u.a. von Wladimir Sujundukow, Andrej E., Stefan Drößler, Michael Müller
Amnesty International
Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik e.V.
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